Womit ich arbeite
Drei Themen prägen meine therapeutische Arbeit besonders: Bewegungs- und Körpertherapie, die Begleitung von Menschen mit ADHS und Neurodivergenz sowie traumasensible Psychotherapie. Dazu kommen Methoden, die man nicht in jeder Praxis findet – vom Bouldern bis zum Spielen.
Springen, Tanzen, Fühlen. Körperorientierte Verfahren sind ein fester Bestandteil meiner therapeutischen Arbeit. Ich bin überzeugt, dass wir uns bewegen müssen, wenn wir etwas in unserem Leben bewegen möchten. Also so richtig, mit den Füßen.
Unser Körper ist dabei ein wichtiger Kompass: Er speichert Erfahrungen und reagiert oft schneller als unser Verstand. In der Therapie kann das bedeuten, die Wahrnehmung zu schulen, Bewegung einzubeziehen oder dem Körper wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Der Körper wird dabei nicht „bearbeitet“, sondern als wertvolle Ressource einbezogen. Man muss nicht sportlich sein, um bewegungsorientiert zu arbeiten – aber ich warne vor: Ich lade durchaus mal dazu ein, sich zu bewegen. Dafür gibt es in der Praxis einen eigenen Bewegungsraum.
„Schwerkraft ist eine Illusion.“ Es mag ungewöhnlich klingen, aber ich gehe mit meinen Patient:innen gerne mal bouldern. Dabei geht es nicht um sportliche Leistung, sondern darum, sich selbst zu erleben und über das Üben an der Wand kennenzulernen. An der Wand können Themen wie Angst, Vertrauen, Kontrolle, Frustration oder Selbstwirksamkeit erfahrbar werden: Wie gehe ich mit Herausforderungen um? Wann halte ich inne, wann wage ich den nächsten Schritt? Man muss nicht gebouldert haben, um das zu machen – wir wagen uns sanft, spielerisch und vor allem neugierig an die Wand.
Zappeln, Tagträumereien und Reizüberflutung. Aber auch: Begeisterungsfähigkeit, Gerechtigkeitssinn und Neugierde. Diese und andere Eigenschaften können auf Menschen zutreffen, die dem neurodivergenten Spektrum angehören – dazu gehören unter anderem Menschen mit ADHS oder Autismus.
Ich verstehe Neurodivergenz nicht als Defizit, sondern als eine Variante menschlichen Erlebens. Jedes Gehirn, und damit jeder Mensch, ist anders. Wichtig ist, dass wir für uns passende Strategien entwickeln, die uns helfen, durch diese Welt zu navigieren – denn die Steuererklärung oder der trubelige Familienalltag wollen bewältigt werden.
Mein Blick ist dabei vor allem ressourcenorientiert – denn oft genug haben neurodivergente Menschen schon gehört, was sie alles nicht können. In der Psychotherapie erkunden wir lieber: Was brauche ich, um mich – so wie ich bin – zu akzeptieren und in meiner Umwelt zurechtzufinden?
Zu schnell und zu viel. Manchmal hält das Leben Herausforderungen für uns bereit, die uns überwältigen. Das hat nichts mit den eigenen Fähigkeiten oder Stärken zu tun: Krisen, schwierige Beziehungserfahrungen und Verletzungen können Spuren hinterlassen – und manchmal auch den Glauben an uns selbst oder an das Gute erschüttern.
Trauma zeigt sich nicht nur in Erinnerungen oder Gedanken, sondern oft auch körperlich – zum Beispiel durch Anspannung, innere Unruhe, Erschöpfung oder das Gefühl, nicht ganz da zu sein. Sich dem zuzuwenden, was einen manchmal nachts oder in Rückblenden einholt, ist ein großer und mutiger Schritt.
Ich arbeite mit Menschen, die belastende oder traumatische Erfahrungen gemacht haben – behutsam, in Ihrem Tempo und unter Einbezug des Körpers. Dafür befinde ich mich aktuell in der Weiterbildung „Spezielle Psychotraumatologie“ der DeGPT.
Erwachsene spielen nicht? Oh doch! Spielen bedeutet Neugier, Kreativität und sich in einem sicheren Rahmen auszuprobieren – neue Dinge zu wagen, eine andere Perspektive einzunehmen und den gewohnten Rahmen zu verlassen. Genau das möchte Therapie oft ermöglichen.
Dafür nutze ich verschiedene Möglichkeiten: kurze Rollenspiele, Würfelsysteme, die an Tabletop-Spiele wie Dungeons & Dragons angelehnt sind, Phantasiereisen, therapeutisches Schreiben oder die Arbeit mit kreativen Medien. Ich glaube fest daran, dass Fantasie nichts ist, das nur Kindern vorbehalten bleibt – sie hilft auch Erwachsenen, ihren Horizont zu erweitern.